Wednesday, November 11, 2015

Tourismusförderung

Wenn die Verbraucherschützer der Europäische Union voraussichtlich noch am Mittwoch ihre Richtlinien zur besonderen Kennzeichnung von unter jüdischer Beteiligung in den umstrittenen Gebieten hergestellten Waren vorstellen, geschieht dies nur mit den allerbesten Absichten, wie ihr Botschafter Lars Faaborg-Andersen kürzlich in einem Interview betonte:
»Indeed, it could be argued that labeling is ›exactly the opposite‹ of BDS, he suggested. ›Because BDS is a general boycott that targets all Israeli products, from settlements and other places [within the Green Line]. Here [with our labeling scheme] we’re making a very important distinction, saying this has nothing to do with BDS.‹
In that sense, the EU’s introduction of a labeling regime could be construed as ›actually an advantage,‹ Faaborg-Andersen proposed. It clearly distances the EU from the BDS movement and ›might even improve the situation for goods coming from Israel proper.‹«
Inspiriert von dieser großartigen Idee, Exporte aus dem »richtigen« Israel nach Europa zu fördern, erwägt die israelische Regierung, sogenannte Antisemitismus-Zonen-Register anzulegen. In ihnen sollen jene Gegenden Europas bis auf die Gemeindeebene hinab gelistet werden, in denen besonders viele Antisemiten leben und eine Gefahr für israelische Touristen darstellen.
Wie gut informierte Kreise in Jerusalem erfahren haben wollen, werde damit aber kein Boykott Europas bezweckt, sondern solle vielmehr der israelische Tourismus nach Europa ausdrücklich gefördert werden. »Derzeit«, so ein Vertreter eines beteiligten Ministeriums, der anonym bleiben wollte, »wissen wir, daß 20 bis 25 Prozent der Europäer antisemitische Ansichten hegen.«
Dies bedeute gleichzeitig, daß bis zu drei von vier Europäern keine Antisemiten seien – und ihnen mit Mißtrauen zu begegnen, das gegenüber Antisemiten gewiß angebracht sei, sei ungerecht. Man werde daher Gebiete ausweisen, in die Juden unbekümmert reisen können und solche, in denen sie wegen eines besonders hohen Anteils an Antisemiten um Gesundheit und Leben fürchten müßten.
»Statt pauschal vor Reisen nach Europa zu warnen, ermöglichen wir mit unserem Register die genaue Auswahl ungefährlicher europäischer Reiseziele. Indem wir zwischen gefährlichen und weniger gefährlichen Destinationen unterscheiden, schaffen wir neue Chancen für den Tourismus, von dem die betroffenen Regionen nur profitieren können«, so der Offizielle weiter.
Das voraussichtlich jährlich aktualisierte Antisemitismus-Zonen-Register wird im Frühjahr 2016 offiziell vorgestellt werden, rechtzeitig, um über einen Sommerurlaub in Europa zu entscheiden.
tw24

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